WS 07 - Esther Perel:
Einzelarbeit in der Paartherapie
Wann ist es sinnvoll, im Rahmen einer Paartherapie auch Einzelgespräche zu führen? Dafür könnte sprechen, dass ein Partner im Einzelgespräch weniger defensiv sein muß, dass er/sie seine Gefühle zunächst für sich reflektieren kann, um sie dann eventuell später mitzuteilen. Wenn ja, wieweit sind dann dies Gespräche vertraulich und wieweit wird alles, was gesagt wird, auch dem andern Partner mitgeteilt?
Geheimnisse sind dabei ein besonders heikles Thema, etwa bei außerpartnerschaftlichen Affären. Lässt sich eine professionelle und verlässliche therapeutische Haltung realisieren, wenn die Therapeutin entscheidet, welche Geheimnisse aus dem Einzelgespräch sie für sich behält? Ist das vielleicht sogar ein produktives Vorgehen, um das Paar darin zu unterstützen, das Spannungsfeld von Privatheit und Offenheit zu verhandeln?
Eine andere Variante ist die individuelle Arbeit mit einem Partner, während der andere zuhört. Könnte das ein Weg sein, um Mitgefühl, Verständnis und Respekt zu entwickeln, ohne darauf reagieren zu müssen? Könnte das ein Weg sein, um Differenzierung und Intimität zu entwickeln?
Ich werde im Workshop anhand von Fallbeispielen vorstellen, wie ich mit der Kombination von Einzel- und Paargesprächen auf die widersprüchlichen Wünschen nach Nähe und Getrenntheit eingehe.


